Ausserstädtische Ruheorte

Fallbeispiel Region Sursee

Das Bundesamt für Umwelt (BAFU) stellt fest, dass das Bedürfnis der Menschen nach Ruheorten ungebrochen ist. Allerdings eignen sich Lärmbelastungsgrenzwerte nur bedingt, um die Raumqualitäten für Ruhe und Erholung zu beurteilen. Das BAFU untersucht daher die Ruhebedürfnisse der Bevölkerung und die Nachfrage nach Ruheorten anhand von Fallbeispielen.

Die Fallstudie des Büros Zimraum untersucht mit einer Befragung von Jugendlichen und Senioren in der Region Sursee die Bewegungsmuster im öffentlichen Freiraum. Die Ergebnisse zeigen, zu welcher Zeit sich die beiden Gruppen aus welchen Gründen an welchen Orten gerne aufhalten und wie und wo sie nach Ruhe suchen.

Am Raumaneignungsmuster der Senioren zeigt sich, dass diese Ruhe in der Bewegung und nicht im Aufenthalt suchen: Sie spazieren, wandern oder fahren Velo. Ihre Ruhe wird im Gegenteil durch das Aufhören der Bewegung gestört, wenn Wege unterbrochen sind und der kontinuierliche Bewegungsfluss nicht mehr möglich ist. Kontinuität ist somit ein raumrelevantes Ruhe- und Erholungsmerkmal. Für Jugendliche umfasst das Ruhebedürfnis nicht nur den Zustand des Einzelnen, sondern auch – oder vor allem – den Zustand der Gruppe: Jugendliche fühlen sich ungestört, wenn sie unbeobachtet Zeit miteinander verbringen können. Dazu suchen sie ungestörte Orte auf, an denen sie sich aufhalten können.

Neben die Kontinuität tritt als weiteres Merkmal der Rhythmus. So weist der Veloweg einen anderen Ruherhythmus auf als der Wanderweg. Zum Rhythmus gesellt sich letztlich die Haptik: Sowohl Jugendliche als auch Senioren erwähnen, dass sie für das Joggen, Skaten, Wandern oder Velofahren Wege suchen, deren Beläge am besten zu ihrer Fortbewegungsart passen. Sei dies ein weicher Waldboden oder ein gut geteerter Weg.

Das Ergebnis der Studie sind vier Thesen für die «Planung» von Ruheorten:
Übergeordnete These: Untersuchungen zu den Bedürfnissen nach Ruheorten geben Planenden eine Vorstellung davon, wie Landschaftsräume genutzt werden und welche Bedeutung sie für die Nutzenden im Alltag und in der Freizeit haben.

Umsetzungs-These 1: Ein breites Angebot an Ruheorten mit unterschiedlichen Ruhemerkmalen und für unterschiedliche Ruhebedürfnisse entflicht und verteilt Nutzungen.

Umsetzungs-These 2: Ruheorte und Ruhestrecken zeichnen sich über Aufenthalts- und Bewegungsmöglichkeiten aus.

Umsetzungs-These 3: Ein entscheidendes Differenzierungsmerkmal eines Ruheorts liegt darin, ob er in den Alltagsablauf integriert werden kann oder ob er in der Freizeit aufgesucht wird. Die Dichotomie lautet deshalb nicht städtischer / ausserstädtischer Ruheort sondern Ruheort im Alltag / Ruheort in der Freizeit.