Das Geschäft mit dem langen Zuhausewohnen

Swiss Real Estate Journal, Juni 2017

Das gesunde, lange Leben führt dazu, dass Mieterinnen und Mieter bis kurz vor dem Tod in einem privaten Zuhause wohnen können. Institutionelle Eigentümer sehen ein Geschäftsmodell in vertraglich gebundenen «All-inclusive»-Wohnformen. Pensionierte erwarten stattdessen, dass ihnen eine individuelle Wohnung und deren Wohnumfeld die Sicherheit geben, bis ins gebrechliche Alter unabhängig zu sein. Damit sich aus diesem Sicherheitsbedürfnis ein langfristiges Geschäft machen lässt, sind komplexere Modelle als Altersresidenzen notwendig.

[…] Das Potenzial liegt also in der Aufwertung des Wohnumfelds im Hinblick auf die kommenden Bedürfnisse im gebrechlicheren Alter. Die Umsetzung der technischen Hindernisfreiheit in der Wohnung und im Wohnumfeld folgt breit abgestützten Standards und ist auf gutem Weg. Was ein altersgerechtes Wohnumfeld ausmacht, kann allerdings weniger eindeutig auf einen Standard heruntergebrochen werden. Es besteht aus Versorgungsmöglichkeiten und guter Erschliessung, einer guten Nachbarschaft mit Aussicht auf Kontakte sowie aus Dienstleistungen zur Alltagsbewältigung. Diese können von einem Hauswart, einer aufmerksamen Verwaltung,
einem Anbieter im Quartier – oder einer Mischung daraus – angeboten werden. Ein solches Wohnumfeld erfordert mehr als ein einfaches vertragliches Paket. Es erfordert eine an den Standort angemessene Lösung. Und an den zukunftsfähigen Modellen werden sich mit grösster Wahrscheinlichkeit mehrere Parteien beteiligen müssen.