Modelle von Jugend- und Freizeithäusern

Stadt Bern, Kinder‐, Jugendförderung und Gemeinwesenarbeit, 2018

Verschiedene Jugend- und Freizeithäuser zeigen, dass eine unternehmerische Sozialarbeit zu intensiv genutzten Räumen beitragen kann, die sowohl einen Mehrwert für das Quartier, die Gemeinde oder Stadt bieten als auch wirtschaftlich tragfähig sind. Was es dazu braucht, zeigt eine Studie zu unterschiedlichen Modellen aus der Stadt Zürich (Jugendkulturhaus Dynamo), Basel (Freizeithalle Dreirosen), Allschwil (Kinder‐, Jugend‐ und Freizeithaus), Muttenz (Jugend‐ und Kulturhaus FABRIK), Reinach (Jugendcafi Paradiso) und Luzern (ehemaliger Wärchhof).

Die in der Studie dokumentierten Beispiele illustrieren, dass eine Öffnung von bestehenden und neuen Räumen der Gemeinwesenarbeit und Soziokultur für unterschiedliche Zielgruppen eine wichtige Voraussetzung dafür ist, allerdings nicht ohne Aufwand möglich ist. Die Vermietung von Räumen erfordert viel zeitliche Ressourcen, da Besichtigungen durchgeführt und Verträge ausgehandelt werden müssen. Je intensiver Räume genutzt werden, desto grösser wird auch die Exposition in der Nachbarschaft und desto mehr muss zwischen Nutzergruppen vermittelt werden. So befinden sich Betreiber von intensiv genutzten Räumen der Gemeinwesenarbeit und Soziokultur in einem ständigen Aushandlungsprozess im nachbarschaftlichen und gesellschaftlichen Umfeld wie auch im Haus selbst. Die Betreiber müssen darüber hinaus ein Rollenverständnis mitbringen, das über die Gemeinwesenarbeit hinausgeht. Sie müssen unternehmerisch denken und anpacken können.

Aus einer unternehmerischen Bewirtschaft von Räumen der Gemeinwesenarbeit und Soziokultur entsteht ein Mehrwert, für den sich dieser Aufwand auch lohnt:

  • Auslastung: Räume und Infrastrukturen sind ausgelastet und generieren Erträge, anstatt dass sie Kosten für die Allgemeinheit verursachen.
  • Finanzierung: Mit der Vermietung ist eine Eigenwirtschaftlichkeit bis zu 60% möglich. Damit hängt ein Betrieb nicht nur von öffentlichen Geldern ab, was die politische Akzeptanz steigert. Die Erträge bringen den Betreibern zudem Handlungsspielraum für Erneuerungen, zeitnahe Anpassungen an veränderte Bedürfnisse sowie den Betrieb defizitärer Angebote.
  • Einbindung in die Erwachsenenwelt: Werden jugendliche und erwachsene Zielgruppen gemischt, gewährt die Vermietung Jugendlichen differenzierte Einblicke in die und Teilhabe an der Erwachsenenwelt. Jugendliche kommen in Kontakt mit Vorbildern, professionellen Akteuren und (Lebens‐)Kulturen und erhalten Zugang zu professioneller Infrastruktur, die sonst nicht verfügbar wäre.
  • Akzeptanz: Umgekehrt bietet die Vermietung von Jugendräumen Erwachsenen Einblicke in die Jugendwelt. Dies fördert die gesellschaftliche Akzeptanz der Jugendlichen. Der Austausch stärkt die Aushandlungskultur.
  • Integration von Kulturen: Die Vermietungen an unterschiedliche Zielgruppen tragen in einem unverkrampften Rahmen vor allem über die gut funktionierenden Themen Tanz, Musik und Essen zur Integration unterschiedlicher Kulturen bei.
  • Entlastung: Je mehr Vermietungen stattfinden und je weniger eigene Aktivitäten angeboten werden, desto mehr
    Betreuungsaufwand kann ein Betreiberteam an die Mieter der Räume abgeben. Die Betreiber können sich auf die Verwaltung und den Betrieb konzentrieren und bestmögliche Rahmenbedingungen für die Nutzung schaffen.
  • Arbeitsplätze: Über die notwendigen Ressourcen für die Bewirtschaftung schaffen Jugend‐ und Freizeithäuser Arbeitsplätze im Bereich der Niedrigqualifikation. Dies bietet Wiedereinstiegsmöglichkeiten in den Arbeitsmarkt.